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Auf der Suche nach dem wahren Gesicht

Katalin Giesswein fertigt auch Auftragsplastiken von historischen und zeitgenössischen Personen. Foto: K.Giesswein

Katalin Giesswein porträtiert Hahnemann

Ein drehbares Gestell mit Kopfeisen, Holzkreuze und Drähte und 20 Kilo Tonerde – mehr brauchen die zarten  Hände von Katalin Giesswein nicht, um daraus einen Kopf zu formen. Doch bei der Entstehung einer Skulptur steht viel mehr dahinter, als äußerlich sichtbar ist. Die Künstlerin verbindet sich mit dem Geist des Menschen, den sie plastizieren will: Dr. Samuel Hahnemann, Vater der Klassischen Homöopathie ist der Mensch, den sie verehrt und dessen Skulptur sie erschaffen will. Wie hat er seine bedeutendsten Jahre erlebt? Was hat er gefühlt, was gedacht? Wie haben die Sorgen sein Antlitz geprägt?

Katalin Giesswein ist Skulpteurin und Kunstpädagogin. Sie hat sich aufgrund eines Auftrags die gängigen Abbildungen zum Vorbild genommen: „Beim Einfühlen und Modellieren ergab sich eine ganz andere Schädelform als auf den Bildern“, berichtet die Künstlerin. Urteilsfrei und empathisch arbeitet sie mit ihren kräftigen Händen die Ohren, Augen, Nase und Mund heraus. Alles wird ganz anders als auf ihrer  Vorlage. Sie wundert sich kurz, streicht weiter über den Ton. Das Kinn stellt eine weitere Herausforderung dar. Sie fühlt sich ein und lässt das innere Bild durch ihre Hände fließen: „Es kommt aus meinem Herzen, aus einer unbewussten Erinnerung an Zeiten außer meines diesen Lebens und fließt dann in meine Fingerspitzen.“  Das Kinn steht vor, als sie es fertig modeliiert hat. 

Zahlreiche Bilder von Dr. Samuel Hahnemann wirkten auf Katalin Giesswein bevor sie ihn porträtierte. Foto: K. Giesswein

Sie studiert Hahnemanns Leben

Die gebürtige Ungarin hat sich monatelang mit dem Leben und Wirken von Dr. Hahnemann beschäftigt, bevor sie ihn zum ersten Mal portraitierte. Sie sammelte Abbildung, hängte sie in ihr Atelier und schaute sie täglich an. Doch in ihrem künstlerischen Schaffensprozess stellte sie fest, dass ihr erfühltes Bild nicht zu den gängigen Abbildungen passt: „Es war einfach nicht stimmig. Ich zweifelte an mir als Skulpteurin.“  Die Kunstpädagogin fing an nach weiteren Bildern zu suchen. Dann stößt sie auf den Nachweis: All ihre gefundenen Einzelheiten in der Formenvielfalt des Arztgesichts fand sie auf einer Daguerreotypie, einem Vorgänger der Fotografie, bestätigt. „Endlich hatte ich die Gewissheit, dass ich Hahnemanns Haupt seinem Charakter gemäß erfühlt habe.“

Sie stellte anhand dieser Vorlage fest, dass der Begründer der Homöopathie eher schmale als volle Lippen hatte. Auch der Sitz der Ohren war anders: „Hahnemann hatte einen breiten Schädel und da sitzen die Ohren tiefer.“ Das hat sie auch bei einigen wenigen Zeitgenossen beobachtet. Der vorgeschobene Unterkiefer ist anhand von Hannemanns Lebenslauf nachvollziehbar. Er blieb seinen Ideen treu obwohl er manchmal wenig verdiente, seine heilende Tätigkeit mehrfach verboten wurde und er häufig die Zähne zusammenbeißen musste. Er hatte 10 Kinder zu ernähren und lebte oft in ärmlichen Verhältnissen.

Sie endeckt einen Voräufer der Fotografie

Die nun angefertigte Skulptur weicht stark von den bekannten Hahnemann-Darstellungen ab, wahrscheinlich weil die zeitgenössischen Künstler den Arzt  nach den damaligen Schönheitsidealen gemalt haben. „Das ging allerdings auf Kosten der naturgetreuen Wiedergabe“, findet Katalin Giesswein. 

Der Leipziger hat sich unter den Händen von Katalin Giesswein fast selbst gestaltet.

Die erste Skulptur aus ihren Händen zeigt den Pharmazeut und Chemiker im Jahre 1790 in Leipzig. Im Gestaltungsprozess sieht sie vor ihrem inneren Auge die Flamme der Entdeckung, als Hahnemann gerade die „Materia Medica übersetzt“: „Diese Skulptur kann man dort gut aufstellen, wo Menschen ihre Entdeckerlust leben wollen.“, erklärt die Künstlerin. In ähnlichen Prozessen entstanden weitere Skulpturen. „ Der Turgauer“, der Hahnemann um 1810 zeigt, ist eher ein Schmuckstück für den Schreibtisch: „Ich wollte hier nicht nur das Gesicht, sondern auch sein Haupt und möglichst seine Körperhaltung erfassen. Da ich so ungeduldig war, fertigte ich schnell eine kleine Version.“ Der „Pariser“ zeigt Hahnemann als alten reifen Mann. Es muss etwa 86 Jahre gewesen sein und sein Antlitz zeigt mehr Güte als Anstrengung. „Ich wünsche mir, dass die Skulptur dort steht, wo Menschen geheilt werden, weil es Milde, Güte und Liebe ausstrahlt.“

Immer noch verehrt die Künstlerin Samuel Hahnemann aufgrund seiner Wahrheitskonsequenz: „Und auch ihr bin innerlich seinen Spuren gefolgt und habe sein ‘wahres Gesicht‘ entdeckt.“  Diese vier Skulpturen können Interessierte erwerben. Die Künstlerin wünscht sich für jeden einen stimmigen Platz für ihre Skulpturen.

Weitere Informationen unter http://www.skulpturarbeit.de/_pages/shop_3.html

Comments

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Time 13. Dezember 2011 at 08:30

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Comment from Fredrik
Time 19. Dezember 2011 at 23:35

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Comment from Bjoern
Time 21. Dezember 2011 at 03:42

Toll, das ist endlich mal ein gut zu lesender Eintrag, besten Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich diesen Blog leicht zugaenglich.

Pingback from Ist das schon Personenkult? | Tines Talk
Time 17. Januar 2012 at 10:04

[…] hat mehrere Skulpturen von Dr. Samuel Hahnemann angefertigt. Die Verehrung des  Begründers der Klassischen Homöopathie wird häufig mit Personenkult […]

Comment from admin
Time 17. Januar 2012 at 10:06

http://www.tinestalk.de/?p=1814

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